Jun 03 2010

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Pech gehabt, Quedlinburg!

Thema AKTUELL

Diese Nachricht trübte heute den Redaktionsmonitor ein:

„Der 18. Kongress Städtebaulicher Denkmalschutz wird am 2. und 3. September 2010 in Goslar stattfinden. Thema des Kongresses werden ’Historische Stadtkerne vor neuen Herausforderungen – Qualitätssicherung und Baukultur durch den Städtebaulichen Denkmalschutz’ sein.”

Nach 17 Jahren verliert Quedlinburg also diese wichtige Veranstaltung. cultWorx.com ist nicht so gescheit, die Gründe dafür zu kennen, und nicht so vermessen, sie erahnen zu wollen. Dieser Verlust wird seine Ursache wohl kaum darin haben, daß die Stadt im letzten Jahr nur wenig bis gar kein Interesse zeigte und der Bürgermeister lieber urlaubte, als mindestens mit einem Grußwort, besser noch mit ständiger Präsens – ja, Bürgermeister müssen immer überall sein – die Veranstaltung zu beehren und Referenten und Publikum zu beweisen, daß ein Kongreß zum Denkmalschutz nur in Quedlinburg stattfinden kann. Wo sonst?

10 Kommentare

10 Kommentare zum Beitrag “Pech gehabt, Quedlinburg!”

  1. Uwe Gerigam 4. Juni 2010 1

    Ja, ja unser Genosse Bürgermeister von der ehemaligen Volkspartei SPD: Mal macht er Urlaub zur Unzeit, mal fällt er über seine Mitbürger mit einem derben Spruch her, wie diesem, den er einst in der Zeitschrift DIE ZEIT zu Protokoll gab: “Ich sag`s brutal! Manchmal fühlt man sich umgeben von Behinderten, Rentnern, Asozialen und Alkoholikern.”

  2. Thomas Brachtam 8. Juni 2010 2

    Kommentar zu “Pech gehabt Quedlinburg!”
    Natürlich ist es schade, dass der Denkmalschutz in 2010 nicht in Quedlinburg stattfindet; aber bekannt ist dies bereits seit dem Denkmalschutzkongress im letzten Jahr. Und der Grund ist auch weder der im Artikel angedeutete noch der von Herrn Gerig kolportierte.
    Das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz ist 1991 für die neuen Bundesländer eingeführt worden. Daher fand dieser auch bis 2009 ausschließlich in Neu-Fünf-Land, fast immer in QLB, statt. Seit kurzem ist das Programm aber auf die alten Bundesländer erweitert worden. Daher gab es bereits letztes Jahr auf dem Kongress den Beschluss, zukünftig den Kongress im jährlichen Wechsel stattfinden zu lassen. In 2011 ist dann wieder Quedlinburg dran.
    Wie auf der Website http://www.staedtebaulicher-denkmalschutz.de/kongress/2010/index.php
    nach zu lesen, ist Quedlinburg inzwischen zur Marke geworden für den Städtebaulichen Denkmalschutz. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern.
    Es hilft also doch gelegentlich, sich vor einem bösen Kommentar mal etwas sachkundig zu machen.

  3. Friedrich W. Pohlam 8. Juni 2010 3

    „Daher gab es bereits letztes Jahr auf dem Kongress den Beschluss, zukünftig den Kongress im jährlichen Wechsel stattfinden zu lassen. In 2011 ist dann wieder Quedlinburg dran.” Wer warum erstens den Beschluß der alternierenden Orte anregte, mag ja dahingestellt sein. Der Gedanke aber, daß zweitens 2011 wieder Quedlinburg den Kongreß ausrichtet, verlangt nach Glaubensstärke. Da stehen andere in den Startlöchern, die sich diesen Fang nicht entgehen lassen werden. Weimar. Stralsund. Wismar. Potsdam. Die Thüringer mit ihrer Wartburg. Hier hat die Stadt leichtfertig, gutgläubig und auch mit unnötiger Arroganz – „die kommen schon noch wieder” – ein Pfund verspielt. Schade.

  4. hartmut hegeram 28. Juli 2010 4

    das eigentliche problem ist und bleibt das wir es bis heute nicht geschafft haben die besucherzahlen von 1987 zu übertreffen. bereits damals waren weit über 1 Million touristen in der Stadt. Der Grund dürfte in der fehlenden aussenwirkung unserer stadt liegen, deren bekanntheitsgrad bundesweit von den jetzigen noch verantwortlichen völlig überschätzt wird. hier wird hoffentlich die neue ” grüne stadtinformation” mit dem ansatz,den HARZKREIS MIT ALLEN ANGEBOTEN IN DEN VORDERGRUND ZU STELLEN erfolg haben. nur durch die jetzt angestrebte neue vernetzung wird sich eine neustrukturierung mit erfolgen abzeichnen. Quedlinburg braucht die unterstützung von wernigerode und halberstadt und das nicht nur für den denkmalkongress 2011, der bei weitem für uns noch nicht sicher ist.

  5. QLB@homeam 28. Juli 2010 5

    @ hartmut heger

    Nun sind ja 1 Mio. Touristen in der Stadt ja noch keine Qualität an sich – davon 500.000 Bus-/Tagestouristen können für die kleine Stadt schon zuviel sein, weil sie 1. mit Bussen angereist die Straßen verstopfen und dabei 2. durch enge Führungsprogramme durch die Stadt geschleust werden, ohne Zeit für den Besuch der örtlichen Cafés und des wohlsortierten Einzelhandels zu haben.
    Allerdings mußte ich erst kürzlich von 2 Gästen in der Stadt ( er: beruflich im Harzraum das nächste Jahr an 3 Tagen in der Woche eingebunden, sie: als mitreisende Ehefrau begeistert von dieser Stadt) sagen lassen: Warum erfährt man von den Schätzen und von dieser Stadt nichts! Sprich, warum klappt die Vermarktung nicht – Wernigerode ist als bunte Stadt am Harz in aller Munde, die Welterbestadt QLB hat da noch einiges aufzuholen!!!

  6. ContraContraam 28. Juli 2010 6

    Um mal zwei, drei Dinge ganz klar zu stellen: Erstens ist Bustourismus das uebelste, was einem Standort passieren kann, wenn er kleiner ist als Muenchen oder Koeln. Sightseeing per Bus vom Stachus und zur Feldherrenhalle? Kein Problem. Glockenspiel am Markt ansehen. Auch OK. Wanderung Unter den Linden, dann im Bus ab durch die Mitte über die Heerstrasse zurück nach Gelsenkirchen. Soll erfuellt.

    Bustourismus bringt in kleinen Städten zuviele und die falschen Menschen in die Stadt mit nichts auf der Naht, die sich nichts anderes als eine Bustour mit Butterbemme leisten koennen, vielleicht noch ein Souvenir für dreiachtzig. Bustouristen sind nuetzlich fuer Busunternehmen, nicht fuer das Ziel der Reise, es sei denn, das Ziel betreibt das Busunternehmen selbst, eine fast schon geniale Konstruktion: die Frau des Hoteliers ist Busunternehmerin und betreibt einen Souvenirshop direkt am Busparkplatz.

    Am Ziel bleibt im Normalfall aber nix haengen, ausser Butterbrotspapier am Zaun.

    Zweitens schliessen wir messerscharf, dass das Gegenteil zu wuenschen ist: Touristen mit einem Buendel Bargeld in der Tasche oder brotscheibendicker Kreditkarte, ohne Bus, dafuer mit Bentley. Wann lassen sie die Rolle im Zielort und schleifen die Karte ab? Richtig. Wenn sie kaufen koennen, was zu ihren Anspruechen passt. Also keine Soljanka, sondern Carpaccio. Zum Herbst das Cashmerepulloeverchen. Oder etwas vom Schaf, das um die Ecke im Harz grossgeworden ist. Gruener Chic. Das laeuft. Im kleinen Shop mit Kastenfenstern. Dafuer gibts Geschaeftsmodelle. Das ist keine Spinnerei.

    Drittens: Weh und ach! „Das kann sich unsere Bevoelkerung nicht leisten!” Merke: Nein! Das soll sie auch gar nicht. Die „Bevoelkerung” soll nicht KAUFEN, die soll VERKAUFEN. Daher kommt der Wohlstand. Das HO-Denken muss raus aus den Koepfen. Aber das ist natuerlich Spinnerei. Seh ich ja ein.

  7. QLB@homeam 28. Juli 2010 7

    @ ContraContra

    Ihrer unter Drittens: gemachten Einschätzung vermag ich nicht zuzustimmen.
    Gerade WEIL der Handel dann floriert, profitiert auch die Bevölkerung vom importierten Wohlstand und kann ihn sich dann leisten – ein Blick in die QBLer Geschichte, als Handel und Wandel noch blühten, belegt dies eindrücklich, auch wenn´s schon über 100 Jahre her ist!

  8. weltkulturerbinam 29. Juli 2010 8

    An alle Vorredner:

    Gibt es wirklich den “guten”, weil steinreichen und den “schlechten” weil minderbemittelten Touristen? Die logistischen Probleme, die Bustourismus aufwirft einmal vernachlässigt. Wenn der Bus mit Studenten der Kulturwissenschaften gefüllt wäre, würde sich die Bewertung wohl schon ändern, oder? Viel wichtiger als die Frage nach den ohnehin zweifelhaften Zielgruppenbildungen überholter Touristiker, wäre darum eher ein selbstgewähltes Profil!!! Was ist diese Welterbestadt Quedlinburg? Was macht sie so besonders und wie kann man diese Werte erhalten und vermitteln? Der Kongress war hierzu ein Statement und deshalb ist es sehr bedauernswert, dass die Tradition abgerissen ist…

  9. ContraContraam 29. Juli 2010 9

    @weltkulturerbin
    Dass Sie mit Ihrem Studentenbus offene Tueren einrennen, das wissen Sie. Dass eine Positionsbestimmung sein muss, das steht ebenfalls ausser Frage. Ein schoener Termin fuer solche Ueberlegungen waere 1994 ff. gewesen. Aber das Geld kommt ja bis heute aus Berlin. Warum sich krumm machen? Wo man steht und wo man hin will, solche Fragen haben uebrigens auch immer etwas mit Geld zu tun, so unschoen das dem einen oder anderen vorkommen mag. Wer ein Wissenschaftszentrum favorisiert, der schielt auch auf Forschungsfoerderung und Drittmittel, genau so wie ein Touristiker auf solvente Gaeste achten sollte. Man kann auch mit Benidorm Geld verdienen, aber in Monaco ist bei weniger Hochhaeusern der Umsatz einfach hoeher und auch nicht ganz so krisenanfaellig. Apropos: Haben Sie fuer Ihre Fragen bereits eine Antwort oder sind die rhetorisch gemeint?

  10. weltkulturerbinam 30. Juli 2010 10

    @contracontra
    Ein Touristiker sollte auf alle Gäste achten! Diese Entweder-oder Diskussion ist so realitätsfern (durch die gewählten Beispiele) wie ermüdend. Hilfreich wären Vergleiche mit ähnlich großen Welterbegemeinden. Zu der Frage nach den Fragen: nein, sie sind nicht rethorisch gemeint. Und doch ist die einzige Antwort erneut als Frage zu stellen. Was hat Quedlinburg zu dieser bis heute erhaltenen Perle der Geschichte gemacht? Wie konnten das gebaute Erbe und die umgebende Kulturlandschaft über die Jahrhunderte bestehen und was kann man aus dieser langen, nachhaltigen Entwicklung für die Zukunft an Entwicklungsmöglichkeiten ableiten. Auf die Bentleyfahrertouristen zu hoffen ist in diesem Kontext genauso utopisch oberflächlich, wie den großindustriellen Investor zu ersehnen. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wurde im industriellen Zeitalter von der Saatzuchtwirtsschaft geprägt, die nicht nur eine wirtschaftliche Blüte hervorbrachte, sondern auch die alte Stadt und die sie umgebebende Kulturlandschaft in ihrer historischen Struktur bewahrte. Auch deshalb wird Tourismus allein nicht in der Lage sein das Welterbe zu erhalten.

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